Zahlenwirrwarr bei Drogentoten

Dieser Artikel von gestern über die missbräuchliche Verwendung von Schmerzpflastern, die in erster Linie bei Krebspatienten eingesetzt werden, machte mich hellhörig. Ich hatte davon bislang noch nichts gelesen und der Wirkstoff Fentanyl war mir auch bis dato unbekannt. So habe ich mich ein wenig schlaugemacht und festgestellt, dass es im Zusammenhang mit dem Missbrauch dieser Schmerzpflaster unter Drogenabhängigen im vergangenen Jahr eine hohe Anzahl von Todesopfern im Freistaat Bayern gegeben hat. Allerdings gibt es hinsichtlich der Todesopfer unterschiedliche Zahlen. Ich habe mal die verschiedenen Varianten zur besseren Übersicht in dieser Tabelle gegenübergestellt:

Variante 1 (47 Fentanyl-Opfer unter 262 Rauschgifttoten in Bayern in 2010, Wirkstoffgehalt 80%) Variante 2 (43 Fentanyl-Opfer unter 220 Rauschgifttoten in Bayern in 2010, Wirkstoffgehalt bis zu 70%)
Express.de, 01.06.2011
Münchner Merkur, 17.05.2011
Abhängige haben eine neue Drogenquelle aufgetan: Schmerzpflaster. Denn die enthalten einen hohen Anteil des Opiats Fentanyl. In Bayern starben daran im vergangenen Jahr 47 Junkies. (…) Aber selbst gebrauchte Pflaster enthalten noch 80 Prozent des Wirkstoffs. Die Rauschgiftfahnder in Bayern haben einen neuen, gefährlichen Trend festgestellt: Drogenabhängige missbrauchen Schmerzpflaster. Allein im vergangenen Jahr sind daran 43 Menschen im Freistaat gestorben. (…) „Denn die Pflaster haben dann immer noch bis zu 70 Prozent Wirkungsgrad“, sagt Wittke.
Sueddeutsche.de, 25.03.2011 tz, 17.05.2011
Torsten Wittke, Leiter des Rauschgiftdezernats des Bayerischen Landeskriminalamts, hat dagegen im Freistaat einen “beunruhigenden neuen Trend” festgestellt. Der Süddeutschen Zeitung sagte er, allein 47 der 262 bayerischen Drogentoten seien dem Missbrauch des Stoffs Fentanyl zum Opfer gefallen – einem künstlichen Opioid, das gegen starke Schmerzen eingesetzt wird. Fentanyl ist schwer zu dosieren – und brandgefährlich: 43 der 220 Drogentoten in Bayern im Jahr 2010 werden diesem Rauschgift zugeschrieben.
Welt Online, 08.05.2011
Im vergangenen Jahr starben in Bayern 43 Menschen durch den Missbrauch von Fentanylpflastern.

Lt. dem offiziellen Drogen- und Suchtbericht 2011 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung (Tabelle auf Seite 57) gab es im Jahr 2010 im Freistaat Bayern insgesamt 262 Drogentote. Das ist die einzige belegbare Zahl. Ob darunter nun 43 oder 47 Fentanyl-Opfer waren, das bleibt offen. Auf jeden Fall eine dramatisch hohe Zahl. Interessant ist auch die Statistik für das Land Brandenburg: Dort gab es im vergangenen Jahr lediglich drei Drogentote.

Eine merkwürdige Interpretation veröffentlichte der Münchner Merkur am 10.05.2011 in diesem Artikel über ein Gerichtsverfahren:

So soll der 32-Jährige in seiner Wohnung einem Spezl aus der Drogenszene ein Fentanyl-Pflaster (ein Schmerzmittel, das zur Behandlung Suchtkranker eingesetzt wird) überlassen haben.
Hervorhebung von mir

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2 Antworten auf Zahlenwirrwarr bei Drogentoten

  1. Miriam Eckert sagt:

    Ich weiß seit 2005 von dieser Fentanyl-Geschichte, habe dadurch die Liebe meines Lebens verloren….. jetzt ist es zu spät. Ich kann nur jedem den Rat geben dieses Zeug nicht anzufassen, es müsste viel mehr darüber aufgeklärt werden, da es noch relativ unbekannt ist unter “Nichtsüchtigen”. Ich kannte es vor dem tragischen Tod 2005 auch nicht. Es hat mein Leben verändert, mir wurde viel genommen – wegen einem Kick.

    • Liebe Frau Eckert,

      ich habe hier Ihr Posting gefunden. Ich berichte in unserer Sendung von der Gefahr des Fentanyls, das auch heute noch sehr unterschätzt wird. Ich würde gerne mal mit Ihnen über Ihren Fall sprechen, dieser würde unsere Intention im Film sehr unterstreichen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich bei mir melden könnten. Sie erreichen mich unter der Mailadresse thomas.kiessling@br.de.

      Herzliche Grüße
      Thomas Kießling, Kontrovers – Das Politikmagazin