Die Frauenfußball-WM ist gerade zu Ende gegangen, unsere Politiker genießen ihren wohlverdienten Urlaub und größere Naturkatastrophen sind derzeit Mangelware. Trotzdem wollen Presseerzeugnisse und Online-Zeitungen mit Meldungen und Nachrichten gefüttert werden. Eine Warnmeldung, die das Sommerloch füllt, erschien heute beim Berliner Kurier. Der Teaser dazu sieht so aus:
Screenshot: Startseite Berliner Kurier (18.07.2011)
Verantwortlich für diesen vermeintlich brandaktuellen Artikel ist der Redakteur Marcus Böttcher, der gleich in seinem ersten Satz folgende Behauptung aufstellt:
Eine Droge, die irre macht, überschwemmt Berlin: „Badesalz“.
Einen konkreten Beweis für die Berliner Badesalz-Schwemme findet man aber nicht. Selbst die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz kann das nicht bestätigen, wie im letzten Satz des Artikels deutlich wird:
Antwort auf die KURIER-Anfrage: „Uns sind derartige Fälle nicht bekannt.“
Während Herr Böttcher also anfangs die Hauptstadt als Überschwemmungsort deklariert, wird wenig später klar, dass sich diese neue Wahnsinns-Droge über das ganze Land verbreitet:
Jetzt aber schwappt eine „Badesalz“-Welle über Deutschland.
Würde Herr Böttcher für die Hamburger Morgenpost oder die Münchner Abendzeitung schreiben, dann würde sein Einstiegssatz vermutlich so lauten:
Eine Droge, die irre macht, überschwemmt Hamburg/München: „Badesalz“.
Dass dieser Artikel und die damit verbundene Warnung des BKA und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung nicht gerade aktuell ist, das wird schnell klar, wenn man sich die Pressemitteilung vom 20.12.2010 ansieht. Die ersten Medien, die die Pressemitteilung journalistisch aufgearbeitet haben, waren n-tv.de und die taz. Anfang des Jahres nahmen sich dann auch Spiegel Online und Welt Online der Sache an.
Während Herr Böttcher fleißig aus der Pressemitteilung zitiert,
„Mit dem Konsum sind unkalkulierbare gesundheitlichen Risiken verbunden“, so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans.
findet man in seinem Artikel keinen Hinweis, dass diese Fakten schon seit fast sieben Monaten bekannt sind. So entsteht der Eindruck, dass diese Warnung von behördlicher Seite brandaktuell ist.
Der Artikel ist zusätzlich mit vier Bildern versehen, von denen drei den Vermerk
Foto: Zvg
bzw.
Foto: zVg
tragen, was so viel wie “Zur Verfügung gestellt” bedeutet. Das zweite Foto in der Bilderstrecke
Screenshot: Berliner Kurier (18.07.2011), Hervorhebung von mir
ist aber lediglich ein Screenshot von der Webseite www.freedom.to, auf der das Luxus-Badesalz mit dem Hinweis
Freedom ist ein reiner Badezusatz in Form von Badesalz und dient NICHT dem menschlichen Konsum!
angepriesen wird.
Abschließend kann ich Herrn Böttcher nur raten, in Zukunft bei ähnlich alten Meldungen Rüdiger Hoffmann vorneweg zu zitieren, der ja bekanntlich stets zu sagen pflegt:
„Ja, hallo erst mal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s schon wussten, (aber) …“.
Nachtrag 19.07.2011, 15:50 Uhr:
Heute haben die Hamburger Morgenpost und der Kölner Express den Artikel von Herrn Böttcher auf ihren Online-Portalen veröffentlicht, sodass das Sommerloch nun endgültig vor lauter Badesalz übergelaufen ist.











Ich zitiere in solchen Fällen auch gerne mal Dieter Nuhr: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.”
Würde sich die deutsche Presse allerdings daran halten, wären die Zeitungen deutlich dünner.
Bei aller Liebe, ich zitiere in solchen Fällen gerne mal mich und sage: Wenn man keine neuen Sprüche hat, einfach mal die Fresse halten. Oder: Ich kann gar nicht soviel Essen, wie ich k*tzen könnte. Siehste.
- Tut mir leid, hab’ zu heiß gebadet. Das macht mich immer so aggro.
ja also,
kennt denn niemand das WIRKLICHE Badesalz? die netten typen aus Hessen???
gruss von barny
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